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Weshalb zum Fest eine
„jut jebratne Jans ne jute Jabe Jottes“ ist

Nein zu Weihnachten
Der Alte Fritz war ja kein Prasser, aber was gut ist, wusste auch er. Und das besonders zu Weihnachten. Nämlich, dass eine „jut jebratne Jans ne jute Jabe Jottes“ ist. Daran halten wir uns auch heute. Die Gans ist des Deutschen Gaumentipp Nr. 1 zum Fest. Zehntausende Gänse bekommen wegen des Festes eine Gänsehaut, denn sie gucken Weihnachten in die Röhre. In zwei Dritteln aller Haushalte kommt sie zu Weihnachten auch in diesem Jahr wieder auf den Tisch. Zwar ist sie wegen gestiegener Aufzuchtkosten etwas teurer geworden als in den Vorjahren und nicht mehr so fett, wie man es einst liebte. Deshalb am liebsten vom Bauern, wo Schnattervolk freilaufend und ohne Chemiefutterbeigaben heranwächst, ohne fettgemästet zu werden. Gut gefüllt und mit dampfenden Kartoffeln, Klößen, Rot- oder Grünkohl kommt sie dann am 1. Feiertag auf den Tisch. Eine Herkulesaufgabe wartet mit ihr auf unsere Verdauungssäfte, weshalb die meist mit einem “Schnäpperken“ angeregt werden. Obwohl ja der 1. Feiertag ja gar nicht mehr der Hauptschlemmertag ist, sondern meist der Heiligabend mit Völlerei bis zum Abwinken.. So traditionell der Gänsebraten zu Weihnachten ist, so ist seine Tradition gar nicht so alt. Das traditionelle Weihnachtsessen unter deutschen Dächern war einst der Schweinebraten. Am 1. Feiertag kam er auf den Tisch, beendet die Adventsfastenzeit, der Heiligabend war bis ins Mittelalter noch ein strenger Fastentag. Da gab es - wie auch heute noch in vielen Familien und Regionen – Fisch. Das war und ist meist der Karpfen, heute aus Tradition, früher, weil er in den Klösterteichen zuhauf herangezüchtet wurde. Die Gans flatterte erst nach 1600 auf die deutschen Tische. Durch die Globalisierung, die allerdings damals noch nicht erfunden war. Wir holten uns nämlich das Gänsemahl von den Engländern. Der Legende nach soll am Heiligabend anno 1588 Königin Elisabeth I. gerade eine Gans serviert bekommen haben, als sie die Kunde vom Sieg ihrer Flotte über die spanische Armada erhielt. Seitdem, so sagen Essenshistoriker, galt die Gans wohl als Siegessymbol. Dieser Nimbus kostet seitdem Abertausenden der weißen Federvögel zum Jahresultimo das Leben. Allerdings ist sie später dann ja auch nur ein zähes, faseriges Fettstück. Auch früher war die Gans nicht ganz billig, sondern ein teures Vergnügen. Deshalb kreierte man die „Beamtengans“: In eine gepökelte Schweinerippe wurde eine Tasche hinein geschnitten und mit Äpfeln, Backpflaumen und Rosinen gefüllt. In den letzten hundert Jahren allerdings wurde die Gans „das“ Festmahl. Vor allem nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde durch Massentierhaltung die Gans für die meisten deutschen Haushalte erschwinglich. Mit dem Lieblingsweihnachtsessen der Deutschen wurde die Gans auch eine literarische Figur. Denken wir an die berühmte Weihnachtsgans Auguste im Buch und im Film. Oder an des Basta-Kanzlers Gans Doretta, die sich länger hielt als der an der Macht. Und vielleicht ist der Federvogel auch schuld an der allgemeinen Klimaerwärmung, denn ein Kilogramm Gänsebraten schlägt mit 3500 Gramm CO² zu Buche. Ob das die Öko-Gutmenschen allerdings vom Gänsebraten unterm Weihnachtsbaum abschreckt und sie auf nachhaltig Produziertes zurückgreifen, ist nicht belegt. Da bleiben um diese Jahreszeit für sie auch bloß Kohl und Nüsse. Ein Weihnachtsmahl für Ochs und Esel. Es bleibt unbestritten, dass ne jut gebratne Jans ne jute Jabe Jottes ist. Das erkennen auch wir Atheisten an: Janz gut oder eben Jans jut! Das Problem in vielen Familien nur: da kommt zu Weihnachten die Gans nicht nur auf den Tisch, sondern es sitzt eine neben einem… Aber egal: Ran an die Gänse und mitjeschlemmt. Wie schon olle Fritzen meinte.
Mark Brandenburger

Familie & Gesellschaft

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